Seil aus Klopapier flechten

Selbst aus Klopapier, das ja gerade zum reißbar sein hergestellt wurde, lässt sich durchs Flechten ein starkes Seil herstellen. Miteinander verflochten wird das Klopapier stabil, wenn die perforierten Stellen versetzt verflochten werden. Die einzelnen Blätter des Klopapiers halten sich durch die Reibung, die sich unter Zug noch erhöht, aneinander fest.

Vorbereitung der einzelnen Stränge

Da es recht unpraktisch ist, mit drei großen Rollen in den Händen zu flechten, solltest du erstmal Stücke in einer für euch angenehmen Länge abreißen. Da sich flaches Klopapier weniger gut handhaben lässt, lässt du nun die Kinder die einzelnen Klopapierstücke verdrehen. So kannst du mit einer Aktion auch direkt deutlich mehr Kinder einbauen und weniger geschickte oder einfach jüngere Kinder haben auch etwas zu tun. Mit den eingedrehten Stücken lässt sich jetzt einfacher flechten.

Neue Stücke einflechten

Wenn ein Strang zu Ende geht, legst du einen neuen Strang für ein Stückchen, zumindest aber etwas länger als ein Blatt, über den zu Ende gehenden. Diese werden dann zusammen weitergeflochten und der Strang ist damit verlängert. Wichtig ist dabei, dass an einer bestimmten Stelle im Seil immer nur ein neues Stück eingeflochten werden sollte. Das kannst du am einfachsten erreichen, indem du die ersten Drei Stücke unterschiedlich lang abreißt.

Immer dickere und stabilere Seile

Ebenso wie bei geflochteten Seilen aus Naturfasern kannst du nun die aus drei Lagen Klopapier bestehenden Seile wiederum verflechten. Dann sind es schon neun Lagen und ein vorsichtiger Zugversuch zeigt den Kindern, wie stabil es schon ist.

Spannend: Der Test auf Zugfestigkeit

Besonders spannend wird es, wenn ihr nachher zusammen das Seil auf Zugfestigkeit prüft. Dafür knotest du am besten einen Jutebeutel oder eine Tasche an das Ende des Seils und hälst es entweder selbst in die Luft oder knotest es irgendwo fest. Der Befestigungspunkt sollte dabei möglichst wenig kantig sein, damit das Seil nicht dadurch schneller reißt. Ein Klettergerüst in der Turnhalle mit seinen runden Stangen eignet sich gut, zur Not legst du aber einfach ein gefaltetes Küchentuch dazwischen.

Je nachdem, wie viele Stränge ihr verflochten habt, kannst du entweder unterschiedlich schwere Gegenstände aus der Gruppe in die Tüte legen oder bei stärkeren Seilen die Kinder nach ihrem Gewicht aufgestellt daran hängen lassen. Daraus kannst du direkt ein Gruppenspiel machen, wo sich die Gruppe nach ihrem Gewicht sortiert aufstellen soll. Das Ergebnis könnt ihr, müsst ihr natürlich aber nicht mit einer Personenwaage überprüfen.

Bitte sei hier aber sensibel, wenn du übergewichtige Kinder in deiner Gruppe hast, die vielleicht vor Hänseleien und Bloßstellungen geschützt werden müssen. Dann solltest du einfach Kinder, die offensichtlich unterschiedlich schwer sind bestimmen.

Seile aus Naturmaterialien flechten

Jegliches faseriges Material lässt sich durch Flechten in selbstgemachtes Seil verwandeln. Bei einem Waldspaziergang könntet ihr zum Beispiel von frischen Stöcken mancher Baum- und Strauchsorten dünne Streifen der Rinde flechten. Manche Grassorten eigenen sich auch, aber nur solche, die eher biegen als direkt zu brechen. Eine tolle Methode, das bereits altbekannte Wald- oder Wiesenstück mit ganz neuen Augen abzusuchen. Super geeignet ist auch das zähe Gras, dass auf Dünen wächst.

Warum es funktioniert

Hast du und deine Gruppe brauchbares Material gefunden, geht es ans Seile knüpfen. Werden die einzelnen Stränge verflochten verstärken sie sich gegenseitig. Ein Seil, das Zug ausgesetzt ist, wird enger und die einzelnen Fasern, aus denen es besteht werden dabei zusammengepresst. Das erhöht die Reibung zwischen den einzelnen Fasern und sorgt dafür, dass sich die Fasern sozusagen gegenseitig aneinander festhalten können, statt eine nach der anderen unter Zug zu reißen.

Neue Fasern einflechten

Um das Seil nun länger als die einzelnen Fasern werden zu lassen, legst du auf einen endenden Streifen den Anfang eines neuen Streifen der Rinde und flechtest die beiden Stränge für ein paar Flechtvorgänge zusammen. Wichtig dabei ist, dass diese „Verlängerungsstellen“ im Seil versetzt erscheinen. Sie stellen eine Schwachstelle dar und wenn immer nur einer der Stränge an einer bestimmten Stelle unterbrochen ist, können die beiden anderen durchgehenden Stränge die Schwachstelle stützen.

Immer stärkere Seile

Die so geflochtenen Schnüre kannst du nun wiederum flechten und das Seil so immer stärker und länger machen.

Flechten lernen mit Kindern

Flechten stellt große motorische Herausforderungen an Kinder (und Erwachsene). Gleichzeitig sind die hier einübbaren Fähigkeiten von großem Nutzen bei allerhand alltagspraktischer Tätigkeiten wie Schnürsenkelbinden und Knoten im Allgemeinen.

Um die Frustrationstoleranz nicht zu sehr auf die Probe zu stellen und frühe Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, steuern wir die Schwierigkeit über das verwendete Material. Unterschiedliche Farben für die drei Stränge erleichtern die Selbstkontrolle und machen das Ergebnis natürlich auch hübscher.

Warum nicht direkt mit Wolle und Stickgarn anfangen?

Wolle und Stickgarn ist zwar das angestrebte Ziel, weil leicht verfügbar und man tolle Armbänder daraus machen kann, stellt aber durch seine Eigenschaften direkt auch die größte Herausforderung dar:

  • dünn und schwierig zu greifen
  • leicht flexibel, bleibt nicht wo es hingeführt wurde
  • viele Flechtvorgänge sind nötig, um eine brauchbare Länge zu erhalten

Einmal gemeistert steht dir mit deiner Gruppe der Weg zu kompliziertem Flecht- und Knüpfwerk offen und ihr könnt gemütlich beisammensitzend die schönsten Armbänder knüpfen.

Befestigung

Damit kein Frust aufkommt, ist es wichtig, dass das Flechtmaterial gut befestigt ist. Eine gute Möglichkeit für Anfänger ist ein Klemmbrett. Dort kann der anfängliche Knoten einfach festgeklemmt werden und das Brett liefert direkt eine gute Unterlage. Das funktioniert auch mit Draht und Bast. Damit das Brett nicht rumrutscht, kann man es mit der Unterkante in die Beuge zwischen Beine und Bauch setzen und dann schräg auf der Tischkante auflegen.

Alternativ kann später die Wolle auch mit einer Sicherheitsnadel an der Hose befestigt werden. Die am Bein herunterrutschenden Fäden stellen aber für den Anfänger ein unnötiges Hindernis dar. Vorteil ist aber, dass nichts verrutschen kann.

Was mäßig funktioniert ist das Festkleben mit Klebeband auf dem Tisch. Anfänger ziehen oft unnötig fest an den Schnüren und das Klebeband löst sich.

Draußen sitzend finden sich mit Treppen, Bänken, Zäunen und Co. häufig gute Gelegenheiten, die Fäden festzuknoten.

Chenilledraht / Pfeifenputzer

Pfeifenputzer sind fast schon das Gegenteil der Wolle. Sie bleiben, einmal gebogen, in der gewünschten Form, lassen sich leicht greifen und einmal alle drei Stränge übergelegt hat man schon über einen cm Strecke geschafft. Aus dem geflochtenen Chenilledraht lassen sich zum Beispiel durch Ankleben von Flügeln und Kopf Libellen und Schmetterlinge basteln. Der geflochtene, bunte Draht kann zu Buchstaben und Zahlen gebogen werden oder als Arme und Beine für gebastelte Figuren benutzt werden. In jedem Fall gibt es ein schnelles Erfolgserlebnis.

Da drei Chenilledrähte recht schnell geflochten sind und zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich eh noch viel Anleitung nötig ist, kannst du auf eine komplizierte Befestigung auch verzichten und die Drähte am Ende einfach für das Kind halten.

Bast

Bast ist etwas widerspenstiger, erleichtert das Flechten aber ebenso wie Chenilledraht durch seine Formstabilität. Zwar ist Bast flexibler als Draht, doch entsteht beim festen Überlegen immer ein Knick im Material, wo sich der Bast dann auch später wieder als erstes faltet. Selbst wenn sich also das Geflochtene wieder löst, weil ein Strang aus den Fingern rutscht, flutscht der Bast fast von selbst wieder in die ursprüngliche Form zurück, wenn das Kind die Stränge wieder aufnimmt. Bast gibt es ebenso wie Chenilledraht in vielen Farben und lässt sich geflochten auch ähnlich weiterverwenden.

Dicke Kordel und Seil

Wenn das Kind nun schon grundsätzlich verstanden hat, wie das Flechten funktioniert und sich über erste Ergebnisse freuen konnte, führen wir mit dickerer und damit leicht zu greifender Schnur eine neue Materialeigenschaft ein. Ebenso wir das eigentlich angestrebte Stickgarn erinnern sich Kordel und Seil nicht an ihre vorherige Form. Das bedeutet vor allem, dass man hier die Spannung in zwei Richtungen halten muss, zu sich hin, aber auch ein wenig nach außen. Die Spannung nach außen bestimmt nämlich, wie eng unser Flechtwerk geknüpft ist.

Aufgrund der Dicke ist Seil aber immer noch deutlich leichter zu greifen. Seile und Kordel aus Naturmaterial wie Sisal oder Hanf ist zudem griffiger als zum Beispiel Kletterseil und auch in allen Stärken erhältich.

Meiner Erfahrung nach reicht eine kurze Übungsphase mit der dickeren Kordel, ehe du zu Wolle und Stickgarn übergehen kannst. Überspringst du diesen Schritt, musst du allerdings damit rechnen, dass das auf Spannung halten zu größeren Schwierigkeiten bei den dünneren Fäden führt.

Befestigen kannst du die Seile ganz gut zwischen zwei zusammengeschobenen Tischen. Klemm einfach die zusammengeknoteten Seite so ein, dass der Knoten unter den Tischplatten ist und dann auf dem Tisch geflochten wird.

Stickgarn und Wolle

Kommen die Kinder nach den Vorübungen hier an, sollte es keine größeren Probleme mehr mit den dünneren Schnüren geben. Nebeneffekt ist, dass du schon einiges an Deko mit deiner Gruppe gebastelt hast. Bei Eltern oder deiner Lehrerin den Eindruck zu erwecken, dass du planvoll vorgehst, kann sicher auch nicht schaden. 😉